In der Bahn rief mir ein Anhänger der „Ultras Frankfurt“ einen Leitgedanken des Humanismus ins Gedächtnis: Die alleinige Auseinandersetzung mit den klassischen Sprachen habe einen humanisierenden Effekt auf den Adepten, der ihn zivilisiere.
Der telefonierende Fußballfan kam gerade aus Hannover von der Beisetzung Robert Enkes und konnte seiner Gesprächspartnerin lediglich mitteilen, dass dieses Erlebnis „heftig“ gewesen sei. Kein anderes Adjektiv kam über seine Lippen, dass seine Gefühlswelt näher hätte qualifiziert können!
Zwar vermochte er mittels Intonation, Repositionierung und Doppelung des Wortes „heftig“ gewisse Gefühlsnuancen zu unterscheiden, welche die Mitglieder seiner „Peergroupe“ mit hoher Wahrscheinlichkeit decodieren können. Doch wirkte er mit sich und seiner Gefühlswelt alleine und irgendwie hilflos, weil er sich nicht mitteilen konnte.
Und steckt nicht gerade in diesem sich Mitteilen, dem Hervorbringen seiner Innenwelt in Sprache, das Durchbrechen der Subjektivität zu einer Intersubjetivität - einer Vorform und die einzige uns zugängliche Art der Realität?
Unausgesprochen vermag die Sprache zuerst die Amorphität unserer äußeren und inneren Lebenswelt – so auch der Gefühle – zu kategorisieren und systematisieren, indem sie ihr Form verleiht, wodurch sie letztendlich be-greifbar wird. Und ausgesprochen wird das Gefühl Teil der materiellen Welt und kann mitgeteilt und somit mit anderen geteilt werden.
Ist es also nicht die Sprache, die durch ihre materialisierende und realisierende Macht unsere Lebenswelt erst hervorbringt und wirklich werden lässt?
Aufgrund des Titels *Macht* der Sprache kam mir gerade folgender Gedanke:
AntwortenLöschenWie passend, dass die Rechtswissenschaften, bei denen es essenziell um die Ausgestaltung von Machtverhältnissen geht, z.B. von Julia Zeh als Sprachwissenschaft bezeichnet wurden.
Und schon allein durch die bestimmte (schwierige) Sprache der Gesetze und der anderen Regeln wird ja schon eine gewisse Macht ausgeübt