Bis noch vor kurzem – wenn ich aus der Retrospektive meinen akademischen Werdegang nachzeichnete – dachte ich, es sei logisch stringent zu erklären, dass ich von der Physik als Leistungskursfach der Oberstufe zur Metaphysik als universitäre Disziplin im Kontext der Religionswissenschaft gekommen sei: Die mir sichtbare Welt könne ich erklären und nun sei folgerichtig die unsichtbare Welt an der Reihe.
Beide Fächer habe ich mit Auszeichnung absolviert, doch erst jetzt ist mir bewusst geworden, dass die Physik eigentlich gar nicht die sichtbare Welt beschreibt: Sie beschreibt die Muster, Strukturen und Prozesse, die dazu führen, dass eine für uns sichtbare Welt entsteht, die wir überhaupt wahrnehmen können. In diesem Sinne ist die Physik die eigentliche Metaphysik, denn sie beschreibt nämlich das dahinterliegende Programm unserer Welt: Die Physik erklärt „etwas, das wir sehen – zum Beispiel das Fallen eines Apfels –, durch etwas, was wir nicht sehen, also durch die Schwerkraft der Erde." (Fischer 2001:17)
Als ein an der Physik noch immer sehr interessierter Religionswissenschaftler hatte ich oft das Gefühl, dass mich die Physik als Mensch an sich und als integraler Bestandteil meiner Lebensumwelt viel stärker angeht als die Metaphysik: Wie hätte ich etwas über das Göttliche aussagen können, ohne unsere Welt und das Leben in ihr in Gänze begriffen zu haben!?
Glücklicher Weise hat mich die stete und zu weilen auszehrende Beschäftigung mit den Wissenschaften zu etwas geführt, das sogar jenseits allen Göttlichen liegt – zu mir selbst!
Ist das nicht wahre Metaphysik?
Einfachmal aus Prinzip, und um das Konzept der rhetorischen Frage zu unterlaufen: Nein
AntwortenLöschenna klar: der herr fundamentaloppositionist!
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