14. Juli 2009

Vom entschwindenden Horizont

Ein Maß der Zeit ist die Emergenz von Komplexität und „das Universum unterliegt einem dynamischen Prinzip, nachdem es sich so entwickelt, daß es seine Komplexität maximiert.“ (Eisenhardt 2006:315)

Es ist nur ein vages Gefühl, doch die Suche der Wissenschaft ins Subatomare einerseits und ins Multidimensionale andererseits, findet immer komplexere Eigenschaften unserer Lebenswelt – oder erfindet sie sie gar erst, wie der Physiker die Eigenschaften der subatomaren Teilchen bei seiner Beobachtung beeinflusst?
 
(Chown 2005:58ff)

Es ist wie die Reise in immer kleinere Teilbereiche der Mandelbrotmenge, einer fraktalen, nicht vorhersagbaren, immer neuen und unendlich faszinierenden Geometrie…


Deckt die Wissenschaft also diese seit Anbeginn der Zeiten bestehenden, bei genauerem Hinsehen immer komplexer werdenen Eigenschaften lediglich auf, oder ist das Treiben der Wissenschaft und des Menschen im Allgemeinen sogar kreativer Teil dieser Verkomplexifizierung unserer Lebenswelt? Mitbestimmen wir also durch unser kreatives Treiben den Zeitfluss und war somit die Welt früher in der Tat „einfacher“? Hechelt der Mensch in seinem Erklärungsenthusiasmus der Aufdeckung von Komplexität, dieser selbst verursachten Verkomplexifizierung, auf ewig hinterher?


Zeit und Wissen scheinen wie ein entschwindender Horizont zu sein, der sich exponentiell, mit jeder Antwort neue Fragen aufwerfend, von uns entfernt und uns freudig bedrückt hinter sich lässt.

Die Prominenz des Unwissens und der vergehenden Zeit, ist – wenn sie nicht so erdrückend wären – beinahe ebenso faszinierend wie das Wissen und eine glücklich verlebte Stunde selbst.

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