27. Juni 2009

Von der Vorbestimmung


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Schicksal, welch trügerisches Wort. Der mildere Bruder der Walküre Prädestination. Schicksal, so wie sich alles „schicken“ – fügen – muss! Das So-sein-müssen entsteht nicht durch den übergroßen Steuermann, den unbewegten Beweger, nein! Das So-sein-müssen, das sich notwendiger Weise Fügende, entsteht anders:
Alls, wirklich alles was existiert, hängt miteinander zusammen, steht miteinander in Wechselwirkung – ein universales Gewebe kosmischer Ordnung in nicht zu durchschauender Fülle und Dichte. Wenn wir hier an einem Faden ziehen, dann fällt dort, wo ganz anders, eine Masche. Bloß weil wir dieses komplexe System der Kausalität nicht begreifen, nicht begreifen können – es unfassbar ist, in seiner wörtlichen Bedeutung –, geben wir unbegreiflichen Situationen Namen: Unglück, Glück, Zufall, Gottes Wille, Vorsehung oder eben Schicksal. Indem wir Begrifflichkeiten bilden, reduzieren wir nicht nur das Komplexe auf ein verständliches Maß, mit dem man denken und sich mitteilen kann, sondern wir sind zugleich Schöpfer und Erhalter dieser Begriffe – Interpreten der Wirklichkeit – und somit der Ereignisse selbst, wodurch sie zu einem Teil unserer eigenen Realität werden.
Der Name ist die Kraft, die einem Gegenstand innewohnt. Wir schaffen dieser Begrifflichkeit ihren Raum – ihre Daseinsberechtigung. Somit existieren all diese Begriff und die damit beschriebenen Ereignisse bloß, weil wir es so wollen! Doch beschreiben sie nicht alle bloß das eine Phänomen? Ist es nicht nur die Einzigartigkeit des Individuums, welches durch seine einmalige Veranlagung und Vita einmal hier Glück und ein anderes Mal dort Schicksal erkennt? Weil es differenziert, abstrahiert und stilisiert; dieses kausal-komplexe System – das kosmische Gewebe!
Ist es denn im Grunde genommen nicht viel mehr so, dass wir sowohl durch unser Tun als auch durch unser Unterlassen uns selbst (prä-)destinieren: Da alles miteinander in Wechselbeziehung steht, haben unser Tun und Nicht-Tun Konsequenzen für das gesamte System "Kosmos". Dabei ist die Frage interessanter, ob wir all das, was kosmische Konsequenzen hervorbringt, aus freien Stücken tun…

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